GESCHICHTE

WIE ALLES BEGANN

Am 13. Februar 1926 wurde an der Kulmbacher Straße in Münchberg der Gasthof „Dora“ eröffnet. Die beliebte Gaststätte am westlichen Stadtrand wird heute von Michael Gollwitzer, dem Ururenkel der Gründerin Dora Wagner, als Konditorei und Café mit Fremdenzimmer betrieben. Damit ist die „Dora“ eine der ältesten Münchberger Gaststätten.

Als Dora Wagner ihre Gaststätte eröffnete, stand ihr Haus auf der Südseite der Kulmbacher Straße allein zwischen Feldern und Wiesen.
Auf der Nordseite hatte die Baugenossenschaft Münchberg zur gleichen Zeit eine Reihe kleiner Häuser gebaut; in dem größten dieser Gebäude war eine Gastwirtschaft geplant. Ihrem gesunden Geschäftssinn folgend, kam die Wirtin mit dem Bau ihres Lokals der Baugenossenschaft zuvor.

Dora Wagner war 1921 mit ihrem Mann Michael aus Stadtsteinach nach Münchberg gezogen. Gemeinsam entschlossen sie sich, 1925 an ihr Wohnhaus eine Gaststätte anzubauen.

Dora ging aus unterschiedlichen Gründen mit der Kulmbacher „Markgrafenbräu“ eine geschäftliche Beziehung ein, und dies ist der Grund dafür, warum seit dieser Zeit ohne Unterbrechung Bier aus Kulmbach ausgeschenkt wird.

Bereits 1928 gliederten die Wagners ihrer Gaststätte eine Tankstelle an, die bis zur Grenzöffnung im Jahre 1989 als BP-Station betrieben wurde. Vielen Münchbergern ist sie noch in Erinnerung. Die neue Gaststätte erfreute sich in Münchberg bald großer Beliebtheit – nicht nur als Treffpunkt für die Einwohner des Viertels, sondern vor allem als sonntägliches Ausflugsziel der einheimischen Spaziergänger.

Der Autobahnbau 1934/35 brachte zudem die Arbeiter als Gäste in das nahe der Baustelle gelegene Lokal. Als die Autobahn dann fertig war, kamen zwangsläufig neue Besucher nach Münchberg, auch in den Gasthof „Dora“. Viele reiselustige Sachsen verbrachten hier so manch angenehme Stunde.

In den fünfziger Jahren lag die Bewirtschaftung in den Händen von Tochter Gretel Schüßler und ihrem Ehemann Josef, einem gebürtigen Unterfranken. Seine Beziehungen zur Heimat nutzte er nach dem Krieg, um aus dem fränkischen Unterland Obst und Gemüse nach Münchberg zu bringen, da es der Stadt in dieser Zeit nicht nur an solchen Dingen mangelte.

Das Gasthaus hatte zu dieser Zeit sechs bis acht Fremdenzimmer, dazu gehörten außerdem ein Gemischtwarenladen, die bereits erwähnte Tankstelle und ein Holz- und Kohlenverkauf.

Auch für einen guten Tropfen in Form fränkischen Weines setzte sich Josef Schüßler ein und gestaltete gemeinsam mit dem Pächter der Bahnhofsgaststätte 1958 die ersten „Münchberger Weintage“. Echte Biertrinker pflegten jedoch schon damals den Wein wie Bier zu trinken. Besagtes Weinfest muss für manchen Genießer – im wahrsten Sinne des Wortes – ein umwerfendes Erlebnis gewesen sein! Auch für die jüngsten Besucher hatte die „Dora“ einiges zu bieten, denn während der Faschingszeit fand jede Woche ein Kinderfasching statt, der vielen in guter Erinnerung geblieben ist.

1962 wurde aus dem Gaststättenbetrieb ein Café mit Weinstube. Konditormeister Alfred Schüßler, der Enkel der Geschäftsgründerin, übernahm das Lokal, verstarb allerdings im Herbst 1968 im Alter von nur 34 Jahren. Seine Frau Christa führte den Betrieb weiter und übergab ihn im Jahr 2000 an ihre Tochter, Konditormeisterin Margit Schüßler-Gollwitzer, und deren Ehemann Thomas.

Der letzte große Umbau erfolgte im Jahr 2012. Margit Gollwitzer und ihr Sohn Michael gestalteten das Café völlig neu, und so präsentiert sich heute ein modernes Lokal mit Wintergarten, Lounge-Ecke und großer Freiterrasse und lädt zu gemütlichem Kaffee-, Kuchen- und Tortengenuss ein.